Immer weiter immer weiter - Das Motto vieler Ringer und Ringerinnen - hier kam uns gerade in dieser Zeit die Idee ehemalige Athleten zu fragen, ob sie nicht ein wenig Lust haben aus Nähkästchen zu plaudern - etwas über ihr damaliges Training zu erzählen, was sie alles zum Weg an die Spitze Deutschlands auf sich genommen haben . Was Ihre Lieblingsgriffe waren – was sie gehasst haben....
 
Daraus entstand #10Fragenan - den Anfang macht: FRANK HEINZELBECKER
 
Vielleicht kann Sie der ein oder andere hiermit identifizieren und oder neue Ideen sammeln und hat somit wieder etwas mehr Motivation zum Training.

📸 Bianca Heinzelbecker - biheind Fotodesign
 
 

10 FRAGEN AN

FRANK HEINZELBECKER

  1. Wann hast Du mit dem Ringen angefangen?

1975 im Alter von 5 Jahren. Mein erstes Turnier war ein Erstlingsturnier mit 6 Jahren

  1. Wie bist Du zum Ringen gekommen und was ist der Grund, warum Du beim Ringen geblieben bist?

Aufgewachsen in einem 3.000 Seelen Dorf, gab es die Optionen Fußball, Tischtennis und Ringen. Als Sohn des Platzwartes und einer herben Niederlage als Torwart (0:36) in der F-Jugend hat man mich der Größe entsprechend umgeplant und ins Ringen gesteckt. Mein erster Trainer war Michael Schmitt, der heute noch als Trainer wirkt und mich damals mit dem Mofa abgeholt hat. Das erste Turnier führte zu einem Podestplatz und zu einem Lorbeerblatt …. die Entscheidung war gefallen.

  1. Wie oft hast Du in der Woche trainiert?

Da im Ringsport der Leistungssport überwiegt, ging das mit der Steigerung von Umfängen und Intensitäten recht schnell. Nach der Goldmedaille bei der A-Jugend kam die Berufung in die Nationalmannschaft und ab da war 2 x täglich Training angesagt. Ja … auch am Wochenende! Je nach Phase der Periodisierung waren es 10-14 Einheiten in der Woche. Mehr Training bedeutete auch mehr Trainingsorganisation und weitere Trainer, die an der Entwicklung beteiligt waren. Hier waren Landestrainer Willi Ullrich und Bundestrainer Lothar Ruch maßgeblich beteiligt.

  1. Was war Dein Lieblingsgriff? Wie oft hast Du diesen Trainiert bis er so ausgereift war, dass Du ihn im Kampf einsetzen konntest?

Ich wollte den Applaus in der Halle und je spektakulärer die technische Handlung war, umso mehr wollte ich diese Technik im Wettkampf auf die Matte bringen.
Wurf mit Rotationsschritt im Stand und in der Bodenlage Wurf mit Beinschwung, damit konnte man am meisten auf die Kacke hauen.
Leider war ich mehr Arbeiter als Talent, was bedeutet, dass man mehr Wiederholungen braucht um einen Bewegungsablauf zu automatisieren und auch im Wettkampf unter Stressbedingungen abrufen zu können.

Zahlen in meinem Fall, mit wenig bis kein Talent:
 
Kennen                                                   50 Wiederholungen
Können                                              1.000 Wiederholungen
Wettkampffest National                       1.500 Wiederholungen
Wettkampffest International                 2.000 Wiederholungen

  1. Welche Art von Training hast du am meisten gehasst – welches geliebt? Was hat Dich im Nachhinein am meisten Weitergebracht?

TAAT (Technik Awendungs- und Automatisierungs Training) das heißt Wiederholungen schrubben. Es macht natürlich keinen Spass in einem Training 80 Mal auf die gleiche Stelle zu fallen. Noch weniger gefällt es dem, der geworfen wird.

Die Meisten werden sagen: Fußball zur Erwärmung, in meinem Fall aber das Dauerringen mit einem gleichwertigen Partner.

Beides hat zur Entwicklung beigetragen. Unter Belastung im Wettkampf konnte ich mich immer auf meine automatisierten Techniken verlassen. Manchmal war ich selbst überrascht, wenn mein Gegner in der Kopfbrücke stand, weil mein Körper schneller funktioniert hat als meine geplanten Handlungen.

  1. Was sind Deine größten Erfolge?

Die hatte ich nach meiner aktiven Laufbahn als Trainer. Die Beteiligung an der Entwicklung von Luisa Niemesch, die Erfolge mit dem SV Germania Weingarten und die professionelle Ausrichtung von Mannschaftswettkämpfen und die Titel, die wir mit dem SVG gewonnen haben.

  1. Was war Dein Leitspruch? Zu wem hast Du aufgesehen?

Leistung lohnt sich!
In jungen Jahren war es Holger Gerhardt und Ralf Fiebiger vom KSV Sulzbach. Aufgesehen habe ich immer zu Maik Bullmann (nicht nur weil er deutlich größer ist). Als Trainer beeindruckt mich die unglaubliche Leistungsfähigkeit auch im hohen Alter von Adam Juretzko. Besondere Athleten durfte ich beim SVG unglaublich viele trainieren.

  1. Wie hast Du dich motiviert, wieder aufzustehen, wenn du mental am Boden warst?

„Kein Nachteil im Leben ist so groß, dass er nicht noch zum Vorteil werden kann.“ Dieser Spruch hat sich oft bewahrheitet. Bei Verletzungen, nicht Nominierung hilft er jedoch nicht wirklich. Weiter…weiter…immer weiter ist die Parole und hat man das Feld bestellt, dann kommt auch wieder die Zeit zu ernten. 

  1. Was war dein tollstes Erlebnis mit den Ringern außerhalb der Matte?

Die vielen Reisen mit der Nationalmannschaft zu Wettkämpfen und Trainingslagern. Das enge Zusammenleben mit den Sportkameraden und das Erleben von anderen Kulturen hat mein Sichtfeld deutlich vergrößert. Den Spaß und die Freundschaften zwischen den Belastungen werde ich immer in Erinnerung behalten.

  1. Was würdest Du der heutigen Jugend gerne mit auf den Weg geben wollen?
Geht diesen Weg, er lohnt sich und trägt zu Eurer Persönlichkeitsentwicklung bei. Ihr lernt neben der Kameradschaft, Durchhaltevermögen, Disziplin, mit Sieg und Niederlagen umzugehen uns soviel mehr was ihr im wirklichen Leben braucht um Euch durchzusetzen